Immobilienkredit: strengere Richtlinien für Vergabe

Immobilienkredit-2022
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Die Kreditvergabe für Immobilien hat sich seit August 2022 verschärft. Was es über die aktuellen Änderung bei einem Immobilienkredit zu wissen gilt, wenn ein Haus- oder Wohnungskauf ansteht.

Seit August 2022 ist es schwieriger als bisher, einen Immobilienkredit zu erhalten. Denn aus Sicht der österreichischen Nationalbank (OeNB) und der Finanzmarktaufsicht (FMA) waren Kredite bisher zu leichtfertig vergeben worden. Die verschärften, verpflichtenden Richtlinien für Immobilienkredite erschweren den Vergabeprozess, um den Immobilienmarkt stabil zu halten. Die neue „Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung“ ist im August 2022 in Kraft getreten. 

Immobilienkredit in Österreich – welche Änderungen gibt es?

Wer den Kauf eines Hauses oder einer Wohnung andenkt, muss seit den verschärften Kreditvergaberichtlinien mehrere neue Vergabekriterien berücksichtigen. Banken fordern seither ausreichend Eigenkapital, um überhaupt einen Immobilienkredit zu bekommen. Außerdem muss die monatliche Kreditrate im Verhältnis zum Einkommen realistisch hoch sein. Die neuen Richtlinien wurden sehr konkret in Zahlen gegossen.

Immobilienfinanzierung 2022: die wichtigsten Kriterien

  • Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer müssen mindestens 20 Prozent, also ein Fünftel des Kaufpreises inklusive Nebenkosten einer Immobilie, als Eigenkapital einbringen.
  • Ein Immobilienkredite darf eine maximale Laufzeit von 35 Jahren haben
  • Die Kreditrate darf maximal 40 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens betragen.

Ausgenommen von dieser Regelung ist die Finanzierung von Renovierungen oder Sanierungen bis zu einem Wert von 50.000 Euro. Dieser Wert wurde von 40.000 auf 50.000 Euro angehoben.

Bessere Konditionen für nachhaltige Bauprojekte

Auch die Nachhaltigkeit von Immobilien spielt bei der Kreditvergabe eine Rolle. Eine nachhaltige Immobilie zeichnet sich etwa durch eine ressourcenschonende Bauweise, kleinere Wohnflächen oder eine lange Nutzungsdauer aus. Banken belohnen das bei der Immobilienfinanzierung ab dem Jahr 2022 mit Vorteilen wie etwa niedrigeren Zinsen oder einer speziellen Förderungsberatung.

Was bedeuten die neuen Richtlinien für Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer?

Die Änderungen bei der Kreditvergabe für Immobilien erschwert es, künftig einen Wohnkredit zu erhalten. Das betrifft vor allem Normalverdienerinnen und Normalverdiener, die weder größere Ersparnisse haben noch über eine Erbschaft verfügen. Der österreichischen Nationalbank zufolge wäre aufgrund der neuen Vorgaben jede zweite Kreditnehmerin und jeder zweite Kreditnehmer nicht mehr kreditwürdig.

Die Finanzierung von Immobilien ist ab 2022 also nicht mehr so einfach umsetzbar wie sie es noch in den Jahren zuvor war. Wer die Voraussetzungen zur Kreditvergabe nicht erfüllt, kann zwar weiterhin einen Kredit mittels Vollfinanzierung bekommen. Dabei ist jedoch mit weitaus höheren Zinsen, einem Mehr an Nebenkosten und einem erhöhten Risiko zu rechnen.

Wie kam es zu den Änderungen bei der Immobilienfinanzierung?

Die neuen Vorschriften für die Vergabe von Immobilienkrediten waren bisher nur eine Empfehlung gewesen. Seit August 2022 sind sie verpflichtende Vorgaben, an die sich die Kreditinstitute bei der Immobilienfinanzierung halten müssen. Ziel der strengeren Kreditvergaberichtlinien ist, die starken Preissteigerungen von Wohnimmobilien einzudämmen und den Immobilienmarkt zu stabilisieren.

In den vergangenen Jahren war der Vergabeprozess von Krediten nämlich recht locker gehandhabt worden. Imobilienkäuferinnen und -käufer konnten mit wenig Eigenkapital zu niedrigen Zinsen Grundstücke, Wohnungen und Häuser erstehen. Laut Finanzmarktaufsicht waren viele genehmigte Finanzierungen unrealistisch hoch gewesen. Die niedrigen Zinsen sorgten für einen massiven Anstieg an Wohnkrediten, was die Immobilienpreise extrem steigen ließ. Durch die strengere Kreditvergabe für Immobilien soll eine weitere Überhitzung des Immobilienmarktes verhindert werden.

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