Barrierefrei wohnen: Tipps für die Umsetzung

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Barrierefrei Wohnen wird idealerweise im Voraus geplant. Worauf Sie achten sollten und wo es Förderungen für barrierefreie Immobilien gibt.

Barrierefreie Immobilien sind so gestaltet, dass, dass sie auch von Menschen mit Behinderung oder älteren, körperlich eingeschränkten Personen sowie von Kindern gut nutzbar sind. Zum barrierefreien Wohnen gehören etwa ebenerdige Böden oder Rampen. Erst durch solche baulichen Maßnahmen im Haus- und Wohnungsbau ist ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben für alle Menschen möglich.

Begriffsdefinition: Was bedeutet „Barrierefreiheit“?

Barrierefreiheit bedeutet laut Behindertengleichstellungsgesetz §6 (5), dass für möglichst alle Menschen bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung und andere Lebensbereiche wie zum Beispiel öffentliche Parks ohne besondere Erschwernis und ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sein müssen. Das Sozialministerium beschreibt den Begriff der Barrierefreiheit pragmatisch mit dem Satz: „Barrierefreiheit heißt, es gibt keine Hindernisse“.

Vorgaben für barrierefreie Immobilien

Die technischen Grundlagen für barrierefreies Planen und Bauen von barrierefreien Immobilien sind in der ÖNORM  B 1600 beschrieben. Diese Norm gibt vor, wie Barrierefreiheit am besten umzusetzen ist. Das betrifft viele Bereiche – von Sanitärräumen bis zu Fluchtwegen in Wohnhäusern. Wie barrierefreie Immobilien im privaten Wohnbereich konkret zu gestalten sind, legen in Österreich die Bauordnungen der jeweiligen Bundesländer fest.

Barrierefrei Wohnen – Planung und Umsetzung

Eine gute Orientierung mit vielen Tipps und Checklisten für barrierefreies Wohnen in Privathaushalten bietet das „Handbuch für barrierefreies Wohnen“ des Bundesamtes für Soziales und Behindertenwesen – Sozialministeriumsservice (früher Bundessozialamt). Hier sind die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

Tipps für barrierefreies Wohnen

  • Ein stufenloser, schwellenloser, ebener Zugang im gesamten Wohnbereich
  • ausreichend breite Türen von mindestens 80 Zentimetern Breite
  • ausreichend große Bewegungsflächen, um sich gut umdrehen oder mit dem Rollstuhl wenden zu können – etwa im Bad, vor Kästen oder neben dem Bett
  • Bedienelemente wie Türgriffe oder Lichtschalter in erreichbaren Höhen von 80 bis 110 Zentimetern
  • rutschfeste Böden, die nicht spiegeln
  • beidseitiges Geländer an Treppen und geschlossene Stufen, etwa in einer Maisonettwohnung oder in einem Einfamilienhaus
  • schwellenfrei zugängliche Balkone und Terrassen
  • ein Notlicht mit Bewegungsmelder am Weg vom WC zum Bett
  • ein großes Nachtkästchen mit ausreichend viel Platz
  • klare Kontraste, viel Licht und starke Kontraste für mehr Orientierung
  • gut erreichbare Elektrogeräte in der Küche und unterfahrbar gestaltete Arbeitsflächen
  • eine schwellenlose Dusche, ein unterfahrbarer Waschtisch und rutschfeste Fliesen im Bad
  • Stütze und Haltegriffe an den Wänden des Badezimmers sowie ein etwa erhöhtes WC mit ausreichender Freifläche rundherum

Wie viel kostet barrierefreies Wohnen?

Die Kosten für barrierefreies Wohnen sind überschaubar, wenn rechtzeitig und vorausschauend geplant wird. Die wichtigsten Eckpunkte sind ein ebenerdiger Wohnraum, die richtige Höhe von Möbeln, Türgriffen und Schaltern, ausreichend breite Türen und genug Bewegungsfreiheit. Praktisch ist auch ein funktionales Raumkonzept, sodass Räume bei Bedarf flexibel umgestaltet werden können.

Etwaige weitere Aufwände für barrierefreies Wohnen werden am besten von Beginn an einkalkuliert und in den Immobilienkredit einbezogen. Im Nachhinein sind einige Umbauen sehr teuer, wenn nicht barrierefrei geplant wurde. Es kostet zum Beispiel viel, zu schmale Türen zu verbreitern und ein Badezimmer lässt sich im Nachhinein nur schwer vergrößern. Vorausschauendes Planen ist freilich nicht immer möglich, als Abhilfe gibt es jedenfalls auch Förderungen von öffentlichen Stellen für barrierefreies Wohnen.

Barrierefrei wohnen – welche Förderungen gibt es?

Für barrierefreies Wohnen gibt es in Österreich mehrere Förderungsmöglichkeiten. Die Wohnbauförderungsstellen der einzelnen Bundesländer fördern barrierefreie Maßnahmen für Neubau und Sanierung. Sie müssen im Allgemeinen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um Anspruch auf Wohnbauförderung zu haben. Das Sozialministeriumsservice  fördert unter gewissen Umständen die individuelle Adaptierung von Wohnräumen. Die AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) gewährt nach Arbeitsunfällen Zuschüsse bzw. Darlehen für barrierefreies Wohnen.

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