Projekt Kleingarten Teil 1: Grundstücksuche und Planung

Foto: Ing BM Gregor Hartleben

In Teil 1 von “Projekt Kleingarten” erzählt ein User wie seine Freundin und er nach mehreren Jahren ein Kleingartengrundstück gefunden haben.

Meine Freundin und ich zogen 2006 in eine Wohnung in den zwölften Bezirk, gleich ums Eck von Schönbrunn. Ich selbst wohnte zuvor im zweiten Bezirk, meine Freundin im 14. Bezirk – beide in einer grünen Ruhelage. Plötzlich waren wir mitten im Geschehen. In der Stadt. Rund um uns Häuser und nur wenige Bäume.

Wir gewöhnten uns allerdings schnell an die Annehmlichkeiten des urbanen Lebens. Sieben Minuten zur Fußgängerzone, zehn Minuten zum Meidlinger Markt. Und wenn wir es grüner wollten, war der Schönbrunner Schlosspark ums Eck. Und dennoch, etwas fehlte, jenseits von Beserlparks und barocken Gartenanlagen.

Urlaubsfeeling im Kleingarten

Meine Tante wohnte zu diesem Zeitpunkt bereits ganzjährig in einem Kleingarten in Wien. Immer wenn wir bei ihr waren, fühlten wir uns wie im Urlaub. Der Kleingartenverein selbst hat dörflichen Charakter. Im Zentrum befindet sich statt der Kirche das alte Schutzhaus mit seinem Gastgarten und den knorrigen Kastanienbäumen. Nebenan ist der Imker und ein Schaugarten. Absolute Ruhe und der Duft nach Blumen und frisch gemähten Gras lag in der Luft. Wir ließen uns im Pool meiner Tante treiben, saßen zusammen auf der Terrasse und schauten spät abends in den Sternenhimmel.

Sternenhimmel (Foto: iStock)

Vielleicht war es der köstliche Spritzwein der unsere Sinne beflügelte, aber uns war sofort klar: “So etwas wollen wir auch. Unbedingt.” In der Stadt leben und dennoch das eigene Gemüse anbauen können.

Wie kommt man zu einem Kleingarten?

Das Einzige was man braucht, um zu einem Kleingarten zu kommen, ist Zeit. Und zwar Unmengen davon. Oder aber sehr viel Geld. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Gärten im Eigentum findet man im Internet. Es gibt sie immer wieder. Bevor man aber ein vermeintliches Schnäppchen kauft, sollte man sich genau erkundigen.
  • Für einen Pachtgarten muss man sich bei dem jeweiligen Kleingartenverein auf eine Warteliste setzen lassen. Manche Vereine haben allerdings einen Aufnahme-Stopp aufgrund der großen Nachfrage.

Wir sprachen beim zuständigen Obmann im Kleingarten unserer Wahl vor, schrieben ein Ansuchen und ließen uns auf die Liste setzten. Und dann vergingen die Jahre. Nach drei Jahren fragten wir nach. Kein Garten war in Sicht. Die Jahre zogen ins Land und wir vergaßen, dass wir auf solch einer Liste standen bzw. wir versuchten nicht mehr daran zu denken und widmeten uns anderen Dingen.

Und dann kam eines Tages ein Anruf. Nach sieben Jahren auf der Liste wurde uns ein Garten gezeigt. 350 Quadratmeter mit einem netten Häuschen. Der Garten war ein Traum. Blick auf Wien und den Wald in der Nähe. Einfach herrlich. Wir sagten zu. Drei Tage später kam die Absage. Die Pächterin, eine ältere Dame, hatte es sich anders überlegt. Sie verkaufte doch nicht, sondern gab den Garten ihrer Nichte.

Inzwischen gab es einen neuen Obmann. Nach einem weiteren Jahr kam ein erneuter Anruf. Ein Garten ist frei. “Aber ka schener, i sogs glei…”, so die Worte des neuen Obmanns. 200 Quadratmeter Fläche, ein betonierter 40 Quadratmeter  Keller ohne Bodenplatte, kaputt, feucht, zum Abreißen und direkt neben einer dreispurigen Straße. Nein danke. Wir verzichteten.

Nach acht Jahren ein Garten für uns

Drei Monate später, nach genau acht Jahren auf der Liste ein erneuter Anruf. Wieder war ein Garten frei. Sehr ruhig gelegen. In der Mitte der Anlage. Ein kleines “Knusperhäuschen” darauf.

Küche im alten Häuschen

Der Weg zum Garten war nicht nur ein langer, sondern auch ein unpraktischer – genaugenommen sehr schmal: 1,20 Meter breit und 80 Meter lang. Als Baumeister sah ich die Problematik sofort. Wenn wir hier bauen wollen, wird’s eng.

Aber wir wollten nicht mehr warten. Also: “Ja, wir nehmen den Garten.“

Wissensaneignung rund ums Bauen im Kleingarten

Zu diesem Zeitpunkt war ich als Bauleiter in einer Firma angestellt. Ich hatte zwar schon einige Zinshäuser gebaut und hunderte Wohnungen saniert, ebenso das eine oder andere Einfamilienhaus. Kleingartenhaus war aber kein einziges dabei. Auch wenn meine Freundin das “Knusperhaus” zum Abreißen zu putzig fand und daher von der Idee im Kleingarten zu bauen nicht mehr so angetan war – fing ich an, mich mit der Materie auseinander zu setzten.

Wir fuhren in die “Blaue Lagune” (ein Fertighauszentrum in Wien), und sprachen mit Firmen die Kleingartenhäuser bauen. Die Ernüchterung kam rasch. Der Weg zu unserem Grundstück ist für vorgefertigte Teile zu lange und zu schmal. Was bleibt ist ein Haus aus Ziegeln oder Holz. Es gibt aber nur wenige Anbieter die Design und Ökologie vereinen können. Zumindest nicht bei der Lage unseres Grundstücks.

Also machten wir es uns im alten “Knusperhäuschen” gemütlich, bauten Tomaten an und eigneten uns Wissen zu den Themen Tiny House-Architektur, Bauen im Kleingarten, ökologisches Bauen, alternative Dämmmethoden, Holzriegelbauweise, Rechtliches, Praktisches und vieles mehr an. Wir leben sehr umweltbewusst, daher war für uns klar, dass uns beim Bauen neben ästhetischen auch ökologische und nachhaltige Aspekte wichtig sind.

Baustart

Los geht’s! Und schließlich, nachdem wir den Garten vier Jahre genossen hatten, beschlossen wir, ein Haus zum Ganzjährigen Wohnen zu bauen. Zeitgleich mit der Bauphase starteten wir unseren Blog, eine Art Bautagebuch.

Im Kleingarten darf man nur zu bestimmten Jahreszeiten bauen. Dies ist von Verein zu Verein unterschiedlich. Bei uns in der Kleingartensiedlung ist Bauen grundsätzlich das ganze Jahr erlaubt, schwere Bagger- und Abbrucharbeiten dürfen aber nur zu einer vorgeschriebenen Zeit durchgeführt werden. Ende September ließen wir den Weg und die Zäune der Nachbarn schützen, schließlich wollten wir nicht, dass etwas kaputt wird. Verpflichtend ist dies aber nicht.

Danach haben wir mit den Abbrucharbeiten begonnen.

Dann wurde fünf Wochen gebaggert und danach der Keller betoniert.  

Betonieren der Bodenplatte Keller

Das Wetter war anfangs gut, aber im November und Dezember regnete es durch. Wir hatten einige Schwierigkeiten, aber letztendlich stand der Keller.

Der Weiterbau verzögerte sich aufgrund der Wetterlage, aber letztendlich war unsere Zimmerei so schnell, dass sie viel Zeit aufholten. Innerhalb von vier Tagen stand das Skelett des Holzriegels.

Im Juli und August wurde am Innenausbau gearbeitet, Stromkabel und Wasserleitungen verlegt, der Keller fertig gestellt, die Fenster eingebaut und das Haus außen verputzt…

Detailliertere Informationen zur nachhaltigen und ökologischen Bauweise trotz der schwierigen Lage sowie zum Design und Garten werden im Artikel Projekt Kleingarten Teil 2 in den kommenden Monaten veröffentlicht.


BM Ing Gregor Hartleben ist freier Bau-Berater. Er lebt und arbeitet in Wien und im Burgenland.
Bakk art Alexandra Rath ist Kommunikationsexpertin und Bloggerin.
Gemeinsam betreiben die beiden den Blog Kleingartenhaus Wien und bieten unabhängige Beratung rund um das Thema Bauen im Kleingarten.

Weiterführende Informationen:

Zum Thema:

Sie haben auch eine tolle Geschichte zu Ihrer Immobilie und wollen diese mit der STANDARD-Community teilen? DER STANDARD veröffentlicht jeden Monat eine Immobilien-Usergeschichte.

So machen Sie mit:

  1. Schicken Sie ein Foto und einen kurzen Text zu Ihrer Immobilie per E-Mail an hinterderfassade@derStandard.at.
  2. Sobald Ihre Geschichte ausgewählt wurde, meldet sich ein STANDARD-Mitarbeiter bei Ihnen. Im Anschluss schreiben Sie dann einen Artikel auf immobilien.derStandard.at – eventuell auch mit einem Fotoshooting bei Ihnen.
  3. Pro Monat wird eine neue Immobiliengeschichte auf immobilien.derStandard.at präsentiert.

DER STANDARD freut sich schon auf Ihren Beitrag!

Teilnahmebedingungen:
Das von dem User/der Userin gelieferte Text-, Bild- und Videomaterial kann von DER STANDARD online, gegebenenfalls Print und auf den Social-Media-Kanälen von DER STANDARD vollständig und unbeschränkt verwendet werden.
DER STANDARD behält sich die Vornahme von Änderungen in dem übermittelten Material vor.
Der User/die Userin stimmt zu, dass er oder sie von DER STANDARD online, gegebenenfalls in Print und auf den Social-Media-Kanälen von DER STANDARD namentlich erwähnt werden darf.