Ökohaus muss nicht gleich Hippiebude heißen

Foto: Andrea Hörndler

Autorin: Andrea Hörndler

Wie man ein nachhaltiges Ökohaus mit 100 Quadratmetern Wohnfläche bauen kann, zeigen zwei User.

Als mein Partner und ich uns entschieden, ein Haus zu bauen, war für uns sehr schnell klar: Klein, aber fein und nachhaltig muss es sein. Ein Öko-Haus muss nicht gleich Hippie-Bude heißen. Unser Anspruch: ökologisch bauen mit Design.

Noch bevor wir unser Grundstück entdeckten und kauften, überlegten wir genau, wie viel Platz wir wirklich zum Wohnen benötigen. Als Resultat haben sich dann 100 Quadratmeter Wohnraum ergeben. Für uns völlig ausreichend.

Nachdem wir beide gerne in der Natur sind, aber auch die urbanen Strukturen schätzen, stand schnell fest, dass wir nach einem Grundstück in der Natur und trotzdem nicht zu weit von der Stadt entfernt suchen. Nach ungefähr zwei Jahren intensiver Suche haben wir das perfekte Grundstück in der Nähe von Linz gefunden, allerdings mit sehr steilem Gefälle.

Ökobaumhaus auf Stelzen

Nun begann die Recherche, wie wir den Hang am besten bebauen können. Besonders inspiriert hat uns ein Projekt der University of Colorado in Denver mit den Colorado Outward Cabins. So kamen wir zu der Idee, ein Haus auf Stelzen zu bauen, ohne Keller – das klang für uns nach einer hervorragenden Lösung.

Ganz bewusst haben wir uns gegen eine Unterkellerung und somit gegen eine unnötige Versiegelung entschieden. Um das Grundstück dennoch zu bebauen, wurde mittels Tiefenbohrungen nur punktuell in den Hang eingegriffen, der mit Streifen- und Kammfundamenten gesichert wurde. Somit waren circa zwei Drittel weniger Versiegelung nötig. Unser Haus wurde anschließend mit einer Stützenkonstruktion (sogenannten Piloten) auf einem Bohrpfahlfundament gegründet. Darauf steht eine optisch schwebende Wohnbox, die von den Piloten getragen wird. Bei den Stützen haben wir uns für Stahl entschieden. Baustahl wird überwiegend aus Recyclingstahl hergestellt, bei der Wiederverwertung des Materials entsteht kein Qualitätsverlust, daher eignet sich Stahl auch bestens zum Recyceln und auch für unser Gesamtkonzept.

Foto: Andrea Hörndler

Unser Öko-Baumhaus – wie wir es gerne nennen – besteht zum Großteil aus Holz. So wurde der gesamte Wohnraum mit einer Holzriegelkonstruktion gefertigt. Fassade und Terrasse sind aus unbehandeltem Holz, und das gesamte Baumaterial stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft aus Österreich. Was die Gestaltung des gesamten Außen- und Innenbereichs betrifft, so haben wir uns ganz auf unseren Baumeister verlassen, der bereits viele Holzbauprojekte realisiert hat und auch unserem Haus ein wunderschönes und qualitatives Erscheinungsbild verliehen hat.

Foto: Andrea Hörndler
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Dämmung aus Stroh und Wände aus Ton

Für die Dämmung unseres Ökohauses verwenden wir Einblasstroh, was unserer Meinung nach die aktuell nachhaltigste Dämmung am Markt ist. Stroh fällt nach der Weizenernte an, und für die Dämmung werden dem Stroh weder chemische Zusätze oder Brandhemmer beigefügt, noch besteht die Gefahr, dass sich Nagetiere oder Insekten einnisten. Für uns war also schnell klar: Wir dämmen mit Stroh.

Foto: Andrea Hörndler
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Für das Klima im Innenraum verwenden wir Strohbauplatten, Tonplatten und Tonputz, also Materialien mit Funktion. Ton weist zum Beispiel eine klimaregulierende Wirkung im Innenraum auf, so wird Feuchtigkeit gespeichert und wieder abgegeben, sobald die Luft zu trocken ist. Weiters werden Giftstoffe aus der Luft gefiltert, und die Oberflächen sind antistatisch, was weniger Staubbelastung heißt – gut für Allergiker. Als Fußboden kommt bei uns wieder Holz zum Einsatz, wir verwenden dabei einen Naturholzboden aus Eiche.

Ein Kachelofen für warme Wintertage

Wir lieben beide die Wärme und das Knistern eines Kaminfeuers – was gibt es Besseres? Daher fiel auch die Entscheidung, unseren Wohnraum ausschließlich mit einem zentral platzierten Kachelofen zu beheizen. Das Holz dafür beziehen wir von einem Bauern gleich ums Eck, und aufgrund des Südhanges und der guten Dämmung unseres Hauses gibt es wahrscheinlich nur wenige Tage im Jahr, an denen viel geheizt werden muss. Für den Kachelofen bekommen wir handgemachte Keramik im Stil einer alten Bauernstube in moderner Ausführung.

Man hört immer wieder mal Gruselgeschichten vom Bau, etwa von Firmen, die nicht erreichbar sind oder nicht gut arbeiten. Davon können wir zum Glück keine Geschichte erzählen. Wir wurden immer bestens beraten, alles verlief nach Zeitplan, und die Handwerker waren superkompetent und freundlich.

Foto: Andrea Hörndler
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So viel wie möglich selbst mitanpacken

Ein entscheidender Punkt beim ökologischen Bauen und nachhaltigen Wohnen ist natürlich immer auch die preisliche Hürde. Im Vergleich ist es etwas teurer, wenn man auf natürliche Materialien zurückgreift, aber der Mehrwert ist wirklich spürbar. Wir versuchen daher vor allem im Innenausbau so viel wie möglich selbst anzupacken, und wir haben uns eben auch für einen kleineren, dafür aber gesünderen Wohnraum entschieden. Bis zum Einzug in unser Ökohäuschen dauert es noch ein wenig, aber in ein paar Wochen sollte es so weit sein. Bis dahin werden wir noch fleißig anpacken. (Andrea Hörndler, Hannes Wizany, 1.4.2019)

Foto: Andrea Hörndler
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Den gesamten Bauprozess haben wir auf dem Blog “PlaceToBe” abgebildet. Dort finden sich Informationen zu Baumaterialien und handwerkliche Tipps.

Andrea Hörndler (28) ist selbstständige Illustratorin und Grafikdesignerin und Teil des Gestalterkollektivs Jungbrunnen aus Linz, studiert Medien und Kulturtheorien und beschäftigt sich in ihrer Freizeit besonders mit dem Thema Nachhaltigkeit und Ökologie.

Hannes Wizany (28) ist selbstständiger Grafik- und Webdesigner und ebenfalls Teil des Gestalterkollektivs Jungbrunnen. Initiator der Idee des nachhaltigen Bauens, beschäftigt sich eingehend mit dem Thema nachhaltige Baustoffe und ressourcenschonende Bauweisen.

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